# Abenteuer Autonomiephase

Niemand wird wohl je so richtig und hundert prozentig in einen kleinen Kinderkopf hineinsehen können.
Ich habe leider auch nur selten eine Ahnung was im Kopf meiner Tochter so vor sich geht.
Sie wechselt in sekundenschnelle Ihre Meinung und auch Ihre Stimmung.

Mittlerweile höre ich so oft NEIN.

Nein hier. Nein da. Nein zum Quetschi. Nein zum Zähneputzen. Nein zum Baden und Nein zum Mittagessen.
Überall wird auf einmal dran rumgemeekelt und aussortiert, dabei war es vor einigen Monaten noch alles halb so wild.
Plötzlich macht so viel keinen Spaß mehr, schmeckt auf einmal nicht mehr oder macht ihr von heute auf morgen Angst.

Im ersten Moment ist sie total fröhlich und im nächsten Moment, wirklich von Null auf Hundert, gibt es ein Tamtam vom Feinsten.
Schreien, Weinen, Kratzen und Hauen – das komplette Programm. Und alles nur weil wir – wie immer – Zähne putzen müssen.
Es ist ja nicht so, dass sich etwas geändert hat. Gleiche Zahnbürste, gleiche Pasta, gleiche Abendroutine und Uhrzeit.

Alles wie immer, jetzt nur mit Drama.

Mit raus schicken und „ausbocken“ lassen, mit wieder Vertragen und auch mit Bestechung wird bei uns mittlerweile gearbeitet. Vor einigen Woche genügte es, wenn ich ein „neues “ Kinderlied zum Besten gebe, das ist allerdings Schnee von gestern. Dann habe ich eine Zeit lang allen Puppen und Kuscheltieren auch die Beißerchen geputzt. Doch zur Zeit lässt sie es nur zu, wenn ich eine Folge Peppa Wutz anschmeiße. Ja ja – böse Stimmen werden aufkommen, aber hey es funktioniert und die Zähne werden geputzt. Ich wiege da einfach Schaden und Nutzen ab und versuche es mit meinem Nervenkostüm zu vereinbaren.

Genauso ist es zur Zeit beim Essen. Plötzlich sind Erbsen, Mais und so kleines Gemüse out, welches damals pur und in Massen verschlungen wurde. Mittlerweile wird es selbst versteckt im Kartoffelpüree herausgefiltert und ausgespuckt oder drum herum gegessen.
Keine Chance. Da bin ich dann allerdings ganz entspannt und guter Dinge, dass alles nur eine Phase ist und somit alles einmal wieder kommt und solche „Macken“ wieder gehen.

Sagt mir bitte, dass das normal ist. Dass ich nur konsequent blieben muss und sich dann alles wie von selbst in Luft auflöst?!

Ich bin guter Dinge, dass es sich bei meiner Tochter nur um die sagenumwobene Autonomiephase handelt – kurz Trotzphase. Es werden Grenzen ausgetestet und dabei ist es scheinbar egal ob wir zuhause alleine, im vollen Supermarkt am Freitag Abend oder sonst wo sind – jederzeit und unverhofft kann die Stimmung umschlagen. Und es ist zudem in den meisten Situationen noch nicht einmal vorherzusehen. Wer denkt, man umgeht einfach die Süßigkeitenabteilung beim Einkaufen hat sich geschnitten. Unser letztes Drama im Einkaufswagen wurde durch einen von Mami verweigerten Babybel ausgelöst. Ja allerdings: ein Babybel.

Am liebsten würde ich auch direkt alle anderen Menschen laut ansprechen, die mit den Augen rollen oder extra in einen anderen Gang einlenken. Da versuche ich konsequent zu sein und werde trotzdem blöde angesehen. Würde ich nachgeben und der Kleinen den Käse geben ohne ihn gezahlt zu haben, kämen hundertprozentig auch diese abwertenden Blicke. Egal wie – es bleibt also an uns Eltern diese Situation zu wuppen. (…aber wenn sie sich einmal anlächeln … jaja klar!)

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# Abenteuer Verwöhnen

Niemand mag diese verzogenen, nicht hörenden und immer nur fordernden Kinder. Die Kinder die laut im Supermarkt alles zusammen brüllen und kein NEIN akzeptieren. Die Kinder die selbst entscheiden, wann was gemacht wird und wann eben nicht. Und noch weniger mag man diese Art von Eltern die das Ganze durchgehen lassen. Sei es, weil sie die Konsequenzen und den Streit scheuen, weil einfach der Akku leer ist oder weil sie selbst emotional zu schwach sind um gegen das Kind anzukommen.

Oft hört man dann, das Kind sei verwöhnt. Da frage ich mich: Kann man ein Kind schon verwöhnt haben, bevor es überhaupt zwei Jahre alt ist? Kann da schon alles schief gegangen sein und alle guten Vorsätze die man in der Schwangerschaft macht, sind nichts mehr wert?

Immer wieder wird man schief angeschaut und bewertet, wenn man sagt, dass das Kind mit im Elternbett schläft, dass es ab und zu TV schauen darf, dass es auch mal was ungesundes zu essen bekommt, dass man das Kleine trägt obwohl es laufen kann, dass es auf dem Arm schläft obwohl man mit dem Auto fahren müsste oder dass man zum Abendbrot Müsli macht, weil die Schnitte einfach nicht das Richtige ist. 
Das alles seien Anzeichen dafür, dass man es verwöhnt. Dass man nicht nein sagen kann und das Kind den Takt angibt. Grade beim ersten Kind, sei man zu lapidar und lässt sich auf der Nase rumtanzen. Wie oft quaken einem grade Großeltern rein?! Früher war das anders, da hat man härter durchgegriffen.

Aber muss man das immer? Kann man einem Kind zu viel Liebe geben, zu viel auf seine Bedürfnisse eingehen und zu viel Geborgenheit bieten?

Ich finde nicht! Meine Tochter Mara weiß genau, dass ein Nein auch Nein bedeutet. Klar, wird versucht sich noch kurz durchzusetzen, aber wenn man dabei bleibt, gibt sie sich schnell geschlagen. Es gibt meiner Meinung nach Momente in denen man konsequent sein muss, grade wenn es auch um Sicherheit geht. Aber man muss nicht auf Ach und Krach seine Meinung durchsetzen. Wichtig ist es nur, dass man dabei bleibt. Sagt man einmal NEIN, dann bitte nicht einknicken, sonst wird man irgendwann nicht mehr ernst genommen und die Kleinen merken schneller als man denkt, wann man Mami „manipulieren“ kann. Auch wenn der Akku durch Job und Haushalt einfach manchmal leer ist und man nur noch alles hinwerfen will – bleibt stark! Man ist immer stärker als man denkt. Grade als Mami bringt man oft unbekannte Kraftreserven auf.

Trotzdem bleibe ich dabei, dass man mit ganz viel Liebe und ganz viel Kuscheln und Geborgenheit nichts falschen machen kann. Das kann nicht zu viel sein. Es kann nicht sein, dass Kinder aggressiv werden oder gewalttätig, nur weil sie im Elternbett geschlafen haben oder ihr Essen nicht aufgegessen haben. Sie werden wohl eher so, wenn sie merken, dass Eltern manipulierbar sind oder dass sie selbst das Sagen und die Kontrolle in jeglichen Lebenslagen haben und alles nach Ihrer Nase tanzt.

Das heißt für mich und meinen Alltag mit Kind, dass ich und wir konsequent sind, auch in den richtigen Momenten und grade in den Gefährlichen NEIN sagen, dass wir versuchen, soweit wie möglich standhaft zu sein, aber dass es einfach kein großes Drama ist wenn mal was nicht nach Plan läuft, sich zeitlich verschiebt, wenn man auch mal was zulässt oder wenn auch das Kind mal aussuchen darf, was jetzt gemacht wird – solange man für das Kind da ist, sich bemüht. Man kann meiner Meinung nach mehr verkehrt machen, wenn man das Kind immer nur in seine Schranken weißt, schimpft und es von sich wegstößt, wenn es Nähe braucht.

# Abenteuer Zähneputzen

Niemand steht wahrscheinlich total aufs Zähneputzen, aber was getan werden muss, muss eben getan werden.
Ja, das sollte mal jemand meiner Tochter sagen. Sie findet es nämlich grauenvoll.

Seit sie zwei oder drei Zähnchen bekommen hatte mit sieben Monaten, habe ich immer wieder regelmäßig ihre Zähne geputzt. Mal spielerisch, mal mit Zahnpasta und mal ohne und immer mal wieder hab ich sie auch allein auf der Zahnbürste herumkauen lassen um ein Gefühl dafür zu bekommen, dass dieses komische Bürstending nichts schlimmes ist und eben leider zum Alltag dazugehört.
Keine Ahnung ob das zu viel oder zu wenig war, ich die falsche Zahnbürste besorgt habe oder die Zahnpasta nicht schmeckt:

Mara findet Zähneputzen total ätzend. Mit Zahnputzbüchern und Songs und auch ohne – Zähne putzen macht Ihr keinen Spaß und mir dementsprechend bei ihr auch nicht.

Es gibt immer mal bessere Tage, an denen sie den Mund ganz brav aufmacht und ich bin sofort guter Dinge, dass sie es jetzt endlich verstanden hat oder eben einfach resigniert, denn ein NEIN in Puncto Zähneputzen gibt es eben nicht. Und schwuppdiwupp ist am nächsten Morgen wieder alles vergessen und wir fangen wieder bei Null an. Das einzig Gute daran, dass dann Terror und Gebrüll herrscht ist, dass sie dann den Mund beim weinen schön aufmacht und ich putzen kann. Rabenmutter – ja ja…

Ich schiebe wie alle Eltern so oft, das ganze Rumgezeter aufs Zähne bekommen, aufs angeschwollene schmerzende und spannende Zahnfleisch. Aber das bleibt ja nicht für immer so. Der Grund wieso es nicht immer nur daran liegen kann ist, dass der Papa immer putzen darf. In aller seelen Ruhe und schön bedacht. Hmm, was mache ich falsch? Sonst klammert sie immer und überall nur an mir. Wenn ich da bin, sind alle anderen Luft. Ist so ein Mutter-Tochter-Ding denk ich – aber Zähneputzen darf ich nicht.

Wir benutzen zum Putzen die Nenedent ohne Fluorid Zahncreme. Da streiten sich, wie ich gelesen habe auch die Gelehrten ob man lieber Zahnpasta mit oder ohne Fluorid benutzen sollte.
Die Entscheidung ist recht einfach. Gibt man seinem Kind Vitamin D – Tabletten mit Fluorid (bspw. D-Fluoretten), lässt man es in der Zahncreme weg, so wie bei uns. Das Vitamin D ist zur Rachitisprophylaxe gut und wird meist im ersten Lebensjahr vom Kinderarzt verschrieben und wie bei uns auch in den dunklen Wintermonaten des zweiten Lebensjahres. Bekommt das Kind die normalen Vitamin-D Tabletten oder das Öl, kann man ruhig eine Fluoridhaltige Zahncreme nutzen. Experten raten nur nicht beides zu verabreichen um eine Überdosierung zu vermeiden, wobei das erst ab einer enorm hohen Menge passieren kann, also keine Angst. Komplett auf das Fluorid zu verzichten, wird nicht empfohlen, da es ein wesentlicher Bestandteil der Vorbeugung gegen Karies ist.
Naja und wenn mein Kind nicht das einzige ist, dass so schlecht Zähne putzt, dann doch lieber auf Nummer sicher gehen.

Habt Ihr Tricks die Kleinen fürs Putzen zu begeistern?

# Abenteuer Kinderbock im Supermarkt

Niemand will in so eine Situation kommen: Das Kind bockt und tobt beim Einkaufen.

Die Horrorvorsstellung für alle Eltern.

Man hetzt mittlerweile nur noch durch die Gänge, immer darauf bedacht um die Süßigkeiten herum zu huschen, alles Blinkende und Glitzernde zu meiden und auf keinen Fall zu lang an der Kasse neben den Kleinigkeiten zu stehen. Die Kunst besteht zudem darin, alles leckere und süße trotzdem in den Wagen zu buchsieren ohne dass das Kind etwas mitbekommt und gleich ausflippt, weil jetzt eben noch keine Tüte, Dose oder kein Karton aufgerissen wird.
Das Ganze bedarf einer ganze Menge Training, vor allem Nerven und im härtesten Fall bringt es graue Haare.

Ich frage mich, woher ein Kind, welches ja anfangs noch ach so gesund erzogen und ernährt wird, weiß wie eine Schokoladentafel aussieht oder eine Packung Kekse. Wieso flippt es denn nicht so aus, wenn man die Butter oder eine Packung Käse in den Wagen legt? Man nascht ja zu Hause schon nur heimlich, abends wenn das Kind schläft oder zu meiner Schande muss ich gestehen manchmal auch direkt am Kühlschrank. Schwupp und schnell rein in den Mund, bevor dieses kariesproduzierende Zeug noch teilen muss.
Irgendwie haben Kinder einen siebten Sinn für ungesundes. Mittlerweile glaube ich, dass sie mit Knisterpapier schon diesen tollen Zuckerschock-Trip verbinden. Es gibt ja wirklich fast keine Süßigkeit die außen herum nicht knistert.

Anders kann ich es mir einfach nicht erklären.

Anfangs sagte ich mir auch immer, dass ich es bei meiner Tochter anders machen werde! Dass ich hart und konsequent sein kann, wenn sie rumbockt und etwas unbedingt haben will. Dass ich es besser machen werde als all die Mütter die immer einknicken und nachgeben. Ich dachte, mein Kind braucht nicht im Supermarkt schon alles zu bekommen, denn mein Kind wird geduldig erzogen und kann warten bis wir zuhause sind und alles in Ruhe einteilen. Ich habe Eltern, die auf das Betteln, die lieben Augen und das „Mammiii“ reingefallen sind, verachtend angesehen und verurteilt

Ich war ein Arschloch. Schande über mich.

Mittlerweile mache ich zwar noch keine Packungen im Supermarkt auf, es gibt auch nicht alles was sie will, aber ich habe ein großes Verständnis für alle Eltern entwickelt und verstehe in welcher Stress-Situation sie sich grade befinden. Es ist manchmal nicht leicht das Kind zu bestrafen oder zu ignorieren, wenn es wie am Spieß schreit, trampelt und aus allen Körperöffnungen tropft… denn darauf kann man sich ja schließlich bei einem ordentlichen Bock nicht auch noch konzentrieren.
Dazu kommen die Blicke, die man im Nacken spürt. Die Blicke, die man nur zu gut kennt, denn man hat sie auch einmal geworfen. Damals, als man noch Kinderlos war, es eilig hatte oder der Meinung war, dass das heute schon DER höchst stressigste Tag war. Oder die Blicke der Älteren, die einem sagen wollen, dass es das früher so nicht gegeben hätte und dass man damals schon lange die Hand mit den vielen Siegelringen erhoben hätte.

Dieser Druck auf einmal.

Ich bin mir nicht sicher was nun wirklich zu tun ist. Ignorieren und ausharren? Diskutieren und erklären? Alles stehen und liegen lassen und mal ohne Kind wiederkommen, denn die Reste zuhause werden erstmal reichen?

Was ist für Euch bisher die beste Variante gewesen? Oder habt Ihr schon vorher alles so richtig gemacht, dass es solche Situationen nicht gibt?