# Abenteuer Kita-Streik

Niemand gibt sich gern still mit dem zufrieden was er hat. Jeder möchte immer größer und erfolgreicher werden oder höher und weiter hinaus. Das ist alles menschlich und völlig verständlich. Stillstand ist der Tod. Niemand möchte stagnieren. Schon allein der Anspruch ans eigene Ego drängt einen dazu, mehr zu wollen.

Manch Einer muss sich damit abfinden, dass es für Ihn einfach keine Fort- oder Weiterbildungen und Ähnliches gibt, der Nächste muss akzeptieren, dass in der Karrierelaufbahn einfach irgendwann Schluss ist und wieder Andere sind in der Gewerkschaft, dürfen und können streiken um weiter voran zu kommen. Zumindest finanziell. Das ist tariflich so geregelt und somit gibt es da auch nichts zu rütteln.

So weit so gut. Zum Teil versteh ich das sogar.

Wenn man sich allerdings vor Augen hält, wie viele penibel durchorganisierte Familienkonstrukte durcheinander kommen, wiederum auch die Dienstpläne der Arbeitgeber und somit auch die Freizeitplanung der Kollegen, welche für einen Elternteil übernehmen und in die Presche springen müssen, da wird einem schlecht. Aber nur so ist ein Tarif-Warn-Streik effektiv.

Druck aufbauen.

Es wurde mir für den äußersten Notfall, wenn ich also keine Kinderbetreuung finden sollte, ein Notdienst angeboten, quasi eine Sammelgruppe, die von zwei Erziehern betreut wird, welche ausnahmsweise nicht in der Gewerkschaft sind. Im Kindergarten meiner Tochter sind ca. neunzig Kinder – wie soll das denn laufen? Da geht so ein kleines Kind doch unter, zumal sie sicher eine Krise bekommt mit lauter fremden Gesichtern, die sicher leicht gestresst aussehen werden – für mich also leider keine Option.

Mir wird nur noch schlecht, wenn ich im Kindergarten höre: etwas ändert sich und ich soll bitte Verständnis haben soll – für etliche Fortbildungen, ständigen Warnstreik, immer diese Schließzeiten oder Brückentage. Seit einem halben Jahr gab es fast keine Woche in der nicht irgendetwas meine „Pläne“ durchkreuzt hat. Dazu kommt noch diese einfach nicht enden wollende Grippewelle.

Immer wieder muss man sich einen Babysitter organisieren, eine Omi muss ihren eigenen Dienstplan über den Haufen werfen oder man muss eben krank mit dem Kind zuhause bleiben…

Also in Puncto „schneller, höher, weiter“ ist bei mir nicht viel zu merken. Ist das alles? Ein normaler Job und ein Kind, das grade so mit Mühe und Not zu vereinbaren ist oder geht da noch mehr? Fragt sich das noch irgendwer außer mir?

Wie gern würde ich mal streiken für ein bisschen Mehr von Allem. Ja ja, ich weiß, dass sind die „world´s most problems“ die ich habe… Mann, Kind, Job, Familie und gesund… da kann man sich nicht beschweren – aber wieso dürfen sich die Erzieher beschweren, dass sie zu wenig Lohn bekommen. Wieso begnügt man sich nicht einfach mit dem was man hat und ist gesund und glücklich?

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# Abenteuer Mobbing im Kindergarten 

Niemand kann wohl so richtig etwas dafür, trotzdem macht es mich traurig.

Aber von vorn:

Vor einigen Tagen musste ich zu meiner ersten Elternversammlung. Das ist schon allein ein komisches Gefühl, so erwachsen muss man auf einmal sein und Verantwortung zeigen und zu allem Überfluss, musste ich auch noch Protokoll schreiben – finden wir nicht alle, dass es die undankbarste Aufgabe überhaupt ist? Augen zu und durch dachte ich. Was soll schon passieren? Alle Kinder sind erst ca. 1,5 Jahre alt, in diesem Alter wird im Kindergarten doch noch nichts Großes gemacht, die Kleinen gehen doch nur zum Überleben dorthin. Kein Morgenkreis, keine Ausflüge, kein Garten jetzt im Winter. Ich war skeptisch und gleichzeitig optimistisch nach 30 Minuten wieder zuhause zu sein.

Anfängliches Blabla und Lob wie toll die Kinder sind, noch nie so eine liebe Gruppe gehabt, blabla. Doch dann wurde mal Klartext gesprochen zwischen dem ganzen weichgespülten Kindergarten-Jargon. Ich habe auch immer das Gefühl, dass Kindergärtnerinnen so in Ihrer Kindersprache versunken sind, dass sie vergessen, wann Sie mit einem Erwachsenen reden – alles wird blumig und halb so wild dargestellt.
Es ging drum, dass die Kleinen schon ausgelotet haben, wer stärker und wer schwächer ist. Dass einige Kinder, natürlich ohne Namen zu nennen um den Eltern nicht zu nahe zu treten, hauen, schubsen und teilweise auch beißen. Und es sind nicht nur Rabauken-Jungs. Jetzt werden einige von euch sagen, dass das ganz normal ist, alle Kinder müssen da durch und sich lernen zu wehren. Klar! Wenn man aber hört, dass immer die gleichen beiden Kinder die eigene Tochter ärgern und diese sich nie wehrt, nie zurück haut oder etwas macht, dann wird man als Mutter schon traurig.

Ich saß auf der Versammlung also da, tat so als würde ich voll locker reagieren, als sei das etwas Normales, die Kinder müssen sich eben ausprobieren etc. – innerlich war mir aber ganz anders zumute. Die anderen Eltern lachten sogar, nicht über mich, aber aus Verzückung, wie niedlich das doch sei, die kleinen Frechdachse eben.

Ich mein, ich bin keine klammernde Mami, ich muss nicht immer eine schützende Hand über meine Tochter legen, ich lass sie auch viel alleine machen, ausprobieren, hochklettern und hinfallen um wieder aufzustehen, aber hauen? Muss man da denn locker reagieren, wenn die Kinder erst 1,5 Jahre alt sind?

Ich bete zuhause rauf und runter, dass man nicht haut und nicht kratzt und Mara hält sich tatsächlich mittlerweile gut daran. Sie weiß, ich gehe dann weggehe und schimpfe. Nun ist es also keine Überraschung für mich, wenn die Erzieher sagen, Mara würde gehauen und geärgert werden und macht einfach nichts, lässt es über sich ergehen, weint ab und an und fertig.

Pff, was mach ich da als Mami? Sage ich, sie solle zurück hauen, bringt es nichts, weil sie einfach nicht unterscheiden kann, wann es nun rechtens ist und wann nicht. Sie muss in einen Baby-Ninja-Kurs. Selbstverteidigung für Babies – ganz klar.
Ich habe ihr jetzt gesagt, sie soll dann ganz laut NEIN sagen soll und die Hand heben. Wir haben da auch so ein Buch angeschaut, wo es einem Jungen genauso ergeht. Naja und irgendwie muss ich ihr beibringen, dass Hilfe holen nicht petzen ist.

Letztens dann beim Kinderturnen (meine tatsächlich persönliche Hölle – viele schreiende, laute, rennende, Scheibe spielende Kinder in einer Turnhalle zusammengepfercht) wurde Maras Fuß versehentlich von einem kleinen Jungen unter eine Matte eingeklemmt, sie sagt „Nein“ und stößt ihn weg. Soweit so gut – woher soll sie auch wissen was ein Versehen ist? Ich bin stolz, weil ich merke, sie hat es verstanden. Mein Baby kann sich wehren.
Plötzlich guckt mich die Jungs-Mami an, fordernd mit Blicken des Todes, dass ich doch bitte handle und mich mal um meinen Satansbraten kümmere und ihr die Leviten lese. Na klasse, dachte ich. Ich sagte dann, dass man nicht haut, in der Hoffnung dass Mara denkt “ Ja Logo, weiß ich ja!“ aber sie hat ganz doll geweint, sich unverstanden gefühlt und wir sind nach Hause. 

Ihr merkt schon, das ist grade ein schwieriges Thema bei uns. Löblich auf der einen Seite, dass die Kleine weiß wie es läuft und traurig eigentlich, dass sie da alleine durch muss – irgendwie.

# Abenteuer Kinderessen

Niemand kochte besser als Mami, heisst es immer.

Meine eigene Mutter sagte immer, dass es daran liegt, dass eine Mutter mit Liebe kocht. Ist das heutztage zwischen Tür und Angel, zwischen Wäschebergen und Kindersportkursen, zwischen Partnerschaft und Kinderbespaßung wirklich so? Kochen wir Mamis mit Liebe?

Bei mir ist das echt von Maras Stimmung abhängig. Ist sie maulig, hat schlecht geschlafen oder ist einfach mal nur eine Nervensäge, gibts tatsächlich auch mal nur die eingefrorene Bolognese von vor 3 Tagen. Das muss ich ehrlich zugeben. Da habe ich gar keine Zeit, keine Muße und auch keine Hand frei um einen Kochlöffel zu schwingen. Ich muss allerdings auch dazu sagen, dass sie wie wohl jedes Kind Bolognese liebt. Somit ist es auch keine Strafe und für mich an solchen Tagen echt eine Entlastung.

Meistens ist Mara aber total entspannt und hat auch Lust mir zu helfen, insofern schon möglich. Sie sitzt dann auf der Arbeitsfläche und reicht mir die Möhrchen oder Kartoffeln zum schneiden und wir singen Lieder. So macht es dann auch alles Spaß.

Wie schon herauslesbar war: Ja bei uns gibt es Fleisch fürs Kind. Das ist wohl heutzutage nicht mehr Gang und Gebe in Zeiten von Veganismus und dem ganzen Paleo-Kram.

Sie bekommt es nicht immer, es gibt auch viele Mahlzeiten ohne Fleisch. Aber wir sind nicht dagegen. Womöglich scheiden sich hier die Geister.

Ich habe mir selbst bei der Kitasuche von Leiterinnen ellenlange Vorträge anhören müssen, dass es bei denen im Haus nur Vegetarisches und höchstens mal Fisch auf den Tisch kommt. Puh, ist das aber immer der richtige Weg für die Ernährung und das Wachstum eines so kleinen Menschen?

Wie Erwachsene sich ernähren, ob LowCarb, nach Paleo, Detox oder vegan ist mir eigentlich relativ Schnuppe, zumal das in Berlin hier wirklich alles gut machbar ist aufgrund der vielen Möglichkeiten. Bei Kindern sehe ich das allerdings anders und finde, dass man dort ausgeglichen ernähren sollte.

Die Omis schimpfen immer wenn ich am Essenstisch nicht konsequent bin. Meine Tochter kostet alles und wenn es Ihr nicht schmeckt, dann muss sie es nicht essen. Ich zwinge sie nicht. Diese Zeiten sind hoffentlich vorbei, in denen man so gehandelt hat damals.

Ich bin aber auch keine Mami, die dann noch 3 weitere Alternativen anbietet. Noch ein Brot oder eine Banane? Magst Du vielleicht ein paar Kräcker oder einen Quetschi. Nein Nein, das auch nicht. Entweder gibt es das Mittagessen oder nichts. Klingt auch hart wenn ich das jetzt so lese, aber ich möchte Ihr nicht beibringen, dass Sie durch meckern etwas erreichen kann und dann alle springen.

Wie handhabt Ihr das, wenn das Kind etwas nicht essen mag?

# Abenteuer Organisation

Niemand hat gesagt, dass es leicht wird.

Ich finde es oft sogar recht kompliziert und schwer alles unter einen Hut zu bekommen. Die Arbeit in Schichten, die Kita-Öffnungszeiten bis 17 Uhr und die ganze Haushaltskiste. Es gab in den letzten zwei Monaten, in denen meine Tochter jetzt im Kindergarten ist, nicht eine Woche in der einfach alles nach Plan lief. Immer wieder durchkreuzte irgendetwas unsere Pläne.

Vom spontanen krankheitsbedingten Schichtwechsel im Job über Kita-Fortbildungstage, Elternversammlungen um 16 Uhr ohne Kind, Termine beim Kinderarzt wegen der Dauerkrankheit im ersten Kindergartenjahr bis hin zum Männerschnupfen hier zuhause und somit einer Doppelbelastung in Puncto Jammern.

Oft komme ich sogar jetzt schon an eine Grenze, die ich vorher gar nicht kannte. Ich will manchmal am liebsten alles hinwerfen und nur schreien. Ich hoffe man gewöhnt sich irgendwann daran, dass jede Woche irgendetwas unvorhergesehenes passiert und man sich nochmal umstellen muss.

Früher dachte ich immer, ich sei ein spontaner Mensch und könne auch kurzfristig auf neue Situationen reagieren. Leider merke ich jetzt, dass man dieser Mensch mit kleinem Kind zuhause nicht mehr ist. Alles muss von morgens bis abends durchgeplant sein, zumindest bei mir. Sonst finde ich einfach keine Ruhe und habe den ganzen Tag dieses Gefühl vom Gehetzt sein in mir. Ich bin oft genervt davon, dass man schon wieder jemanden aus dem Freundeskreis an einem Nachmittag um Hilfe bitten muss und ihm das Kind aufs Auge drücken muss, weil man einfach arbeiten muss und die Kita unverständlicherweise um 17 Uhr schließt.

Ich mag es nicht um Hilfe zu bitten, das mochte ich noch nie. Ich hab immer gerne alles alleine geregelt, so musste man niemanden dankbar sein und schuldete niemandem was.

Leider habe ich schnell gemerkt, dass es einfach nicht mehr geht, jedenfalls nicht, wenn man nicht durchdrehen möchte. Viele Menschen helfen gern, ohne etwas dafür zu verlangen und alle sind auch groß genug um NEIN zu sagen, wenn es nicht passt. Wenn mir Hilfe angeboten wird, nehme ich sie mittlerweile auch gern an. Das hat am Anfang allerdings Überwindung gekostet und auch Nerven, da es ja schließlich ums eigene Kind ging, welches man abgibt. Das schlechte Gewissen war oft sehr präsent.

Ich meine, man macht sich ja keinen Lenz in der Zeit und gibt das Kind nicht zu Freunden, weil man sich die Nägel machen lassen will, sondern muss tatsächlich arbeiten und das wiederum kommt ja allen zu Gute.

Ab und an sitz ich dann nachmittags mit meiner Tochter auf dem Spielteppich und bin eigentlich nur damit beschäftigt die kommende Woche im Kopf zu organisieren und alles zu planen, dass ich gar nicht aufmerksam mit ihr spielen kann, dass ich ihr gegenüber unfair werde und ihr nicht die Zeit und Aufmerksamkeit geben kann, die sie verdient und auch einfordert.

Das muss auf jeden Fall besser werden, ich muss meinen Kopf mehr ordnen oder auch einfach mal abschalten. Das fällt mir noch recht schwer, der Terminkalender im Kopf ist permanent an.

Wird es besser oder nur anders?

# Abenteuer Kita-Eingewöhnung

Niemand konnte mir garantieren, dass meine Tochter nach drei Wochen wirklich ein großes Kindergarten-Mädchen ist. Drei Wochen ist eine wirklich kurze Zeit für die sanfte Eingewöhnung. Aber wir hatten einfach nicht mehr Zeit. Der Ernst des Lebens und die Arbeit hatte uns bald wieder. Das musste klappen. Es gab keinen zweiten Boden, kein Sicherheitsnetz, niemand von uns Eltern hatte noch eine freie Woche in der Hinterhand, falls etwas schiefgeht und Mara sich noch nicht lösen kann und absolut noch kein großes Mädchen sein mag.

Der Druck war groß in mir.

Dieser Druck färbte wohl möglich auch auf die Kleine etwas ab. Irgendwie merken Kinder sowas ja immer. Grade dann, wenn man versucht das Ganze enorm geschickt und gekonnte zu vertuschen und extra den Papa die drei Wochen zur Eingewöhnung zu schicken. Nein nein, die Kinder riechen den Braten. Und so kam es auch, dass sie die kompletten drei Wochen, in der Zeit in der man als Elternteil noch mit im Raum ist, permanent auf Papas Arm klammerte und wimmerte.
„Na toll“ dachte ich. Meinem innerlichen Druck ging es dadurch natürlich nicht sonderlich besser. Auch die Tatsache, dass am Ende der ersten Woche die Kinder grade mal einen Tag für 10 Minuten alleine mit der Erzieherin waren, machte mich nervös. Wie soll das in drei Wochen durch sein? Weiß die Erzieherin wirklich was sie tut?
Mein Vertrauen war gleich Null, aber ich musste abwarten, denn eine Wahl hatten wir so oder so nicht.

Im schlimmsten Fall, musste Mara es auf die harte Tour lernen.

In der zweiten Woche ging es auch nicht wirklich voran. Meine Tochter war grade mal 45 Minuten täglich ohne uns. Beim Verabschieden wurde geweint und dann aber fleißig gespielt, ohne Tränen und Drama. Eigentlich gar nicht schlecht. Ich verstand aber nicht, wie man in 7 Tagen von 45 Minuten auf 6 Stunden aufstocken will. Andererseits ist es sicher ausreichend, wenn das Kind das Prinzip der Trennung und der ganz sicheren Abholung begreift.

Hoffnung ist alles.

Dieser Druck machte mich irre. Wir haben auf dem Spielplatz nicht mehr im Wasser geplantscht, sind jedem Durchzug und zu starkem Wind aus dem Weg gegangen, haben im Auto die Klimaanlage ausgeschaltet und waren auch am See nicht im Wasser. Ich wollte einfach kein Risiko eingehen, dass Mara krank wird und sich so irgendwas verzögert. Jetzt im Nachhinein total blöde und unnötig, aber ohne Erfahrung und Vertrauen zu wildfremden Menschen im Kindergarten wird man so paranoid.
Für die letzten beiden Tage der dritten Woche wurde angekündigt, dass dort gegessen und geschlafen wird. Endlich, dachte ich.
Essen kann sie. Das macht sie seit ewigen Zeiten alleine, das wird was. Meine Stimmung stieg. Schlafen konnte schwierig werden. Sie ist so eine Händchenhalterin beim Einschlafen. Keine Ahnung wie man das in der Kita bei einer ganzen Gruppe bewerkstelligen will. Meine Sorgen waren allerdings mal wieder grundlos. Sie schaufelte das Essen inklusive Nachschlag nur so in sich hinein und hat auch direkt 2 Stunden Mittagschlaf dort gemacht.

Mit Händchenhalten.

Jetzt war zum ersten Mal der Punkt gekommen, an dem ich verstand, dass ich ganz umsonst Angst gehabt habe. Dass Mara das schon kann, weil sie ein tolles Mädchen ist. Weil wir sie immer ernst genommen haben, weil wir sie nie haben weinen lassen, weil wir immer da waren, wenn sie uns brauchte und wir sie nie im Stich gelassen haben. Sie hat verstanden, dass wir sie immer wieder abholen, weil sie hier zuhause auch gebraucht wird und ein Teil von uns ist. Das ist es, um was es geht. Vertrauen. Mara muss uns vertrauen, wir müssen Ihr vertrauen und natürlich auch fremden Menschen von denen man rein gar nichts weiß, denn wann redet man denn man über die Wehwehchen der Erzieherinnen?!
Vertraut also mehr auf Eure Kinder. Sie sind ganz tolle kleine Menschen die schon viel mehr können, verstehen und wegstecken als man als Elternteil denkt. Man selbst muss lernen loszulassen und sie gehen zu lassen. Man muss lernen den Tag wieder ohne sie rumzubekommen und sich umso mehr auf sie am Nachmittag zu freuen.

So kam es auch, dass Mara an ihrem ersten Tag allein im Kindergarten bei der Verabschiedung nicht mal weinte. Wahrscheinlich war sie einfach glücklich, abgelenkt, überwältigt und voller Vorfreude auf die Abholung ein paar Stunden später.

# Abenteuer Elternzeit

Niemand hätte wirklich gedacht, dass dieser Tag kommen wird. Mein letzter Tag in der Elternzeit ist angebrochen und schon fast ist er vorbei. Das macht mich unglaublich traurig. Nicht, weil ich arbeiten muss, darauf freue ich mich tatsächlich sogar. Neue Herausforderungen, neue Gesprächsthemen und neue Kollegen zum Kennenlernen. Das wird alles aufregend und spannend werden und der Tag wird sicher wahnsinnig schnell vergehen, wie das immer so ist, wenn etwas noch nicht zur Routine geworden ist.

Ich werde diese Zeit, diese Phase und alles an Ihr jedoch vermissen. Die vielen Momente die man intensiv mit dem Kind nutzen konnte und die man so genossen hat.
Die anfängliche Zeit in der man es gar nicht fassen konnte, dass dieses kleine Wesen ab jetzt wirklich bei einem wohnt und erstmal nicht mehr weggeht, dass man jetzt umdenken muss und aufhören egoistisch zu sein. Ich konnte es einfach nicht begreifen, dass meine Tochter ein echter Mensch ist und alles in Miniaturausführung an ihr dran und wirklich funktionsfähig ist. Nach und nach hat man sich aneinander gewöhnt und sich einen Rhythmus geschaffen. Man hat sich bei Kursen angemeldet, sich ständig bei der Familie breitgemacht oder sich Ausreden ausgedacht, wieso man den Abend nicht mit Freunden weggehen kann, einfach nur um das kleine Wunder die ganze Zeit zu beobachten.
Wir waren ständig unterwegs, waren viel spazieren, haben uns mit anderen Mamis getroffen um Erfahrungen oder Ängste auszutauschen oder haben einfach nur den ganzen Tag im Schlafanzug auf der Couch verbracht, um uns von einigen Nächten in denen Mara ganz viel Liebe brauchte auszuruhen.

Viele Menschen, tatsächlich meist ohne Kinder, geben mir das Gefühl, dass ich ein Jahr eine Knaller-Urlaubs-und-Relaxzeit hätte haben müssen. Das bisschen Baby. Nichts da. Es gab nicht einen Tag an dem ich ausgeschlafen habe, es gab so viele Morgen an denen ich weinend aufgestanden bin, weil ich einfach noch liegen bleiben wollte und unglaublich müde war. Es gab so viele Momente, in denen ich laut schreien wollte, weil mal wieder nichts geklappt hatte oder nichts planbar war, weil so ein Baby ab und an echt unberechenbar sein kann. Es flossen so viele Tränen, weil man sein altes, so leichtes und unkompliziertes Leben für einen Moment wiederhaben wollte. Aber es flossen auch unglaublich viele Tränen, weil man so glücklich war, dass man es geschafft hat, dass das Baby schläft, dass es sich drehen kann, krabbeln oder alleine mit einem Löffel essen. An diesen Stolz und dieses Emotionale als Mami habe ich mich noch nicht ganz gewöhnt. Ich habe sowieso das Gefühl, super weinerlich geworden zu sein. Erst dachte ich, es würde wieder vorbeigehen, wenn man dann irgendwann nicht mehr stillt und dieses ganze Hormon-Chaos sich gelegt hat. Aber nichts da. Bei mir zumindest blieb diese Emotionalität. Das ist auch nicht so wild. Ich bin ja allgemein ein ganz neuer Mensch geworden. Geduldiger, sanfter, gütiger und verständnisvoller.

Eben eine Mami.

Danke, du tolle Elternzeit. Es war mir ein Fest, dich kennenlernen zu dürfen. Du warst ein toller Freund und Wegbegleiter. Ich werde ganz oft an Dich denken und jedem freudig davon berichten, was Du für ne coole Socke bist.

# Abenteuer: Töpfchen-Training

Niemand muss sich unter Druck gesetzt fühlen, früh mit dem Töpfchen-Training zu beginnen. Ich möchte nur unsere Erfahrungen widergeben, denn jedes Kind ist anders.
Mara ist nun 14 Monate alt und geht seit sie 11 Monate alt ist aufs Töpfchen. Ich habe mich bewusst für ein Töpfchen und gegen einen Toilettensitz entschieden, denn da kommt sie in diesem Alter nicht allein hoch und so richtig sicher festhalten konnte sie sich damals auch noch nicht. Sie bekam deshalb ihr ganz eigenes kleines Töpfchen.
Wichtig war mir, dass ich die Auffangschale herausnehmen kann und sie nicht fest integriert ist oder es aus einem Guss ist, sodass ich es nach jedem Geschäft separat herausnehmen, ausspülen und desinfizieren kann. Somit gibt es einfach weniger Geklecker und Sauerei. Ich fand es auch gut, dass das Töpfchen einen Antirutschgummiring als Fuß hat, um etwaiges hin und her rutschen zu vermeiden, sodass eben alles sicher und fest steht. Dann haben wir noch ein paar Bücher parat gelegt…

und schon konnte der Spaß beginnen.

Wenn man zum Thema Töpfchen-Training etwas liest, stellt man schnell fest, dass alle Ratgeber sagen man solle nicht vor dem zweiten Geburtstag beginnen, da der Schließmuskel und das Gehirn bei kleineren Kindern noch nicht zusammenarbeiten oder dann das Kind sonst traumatisiert wird durch den aufgebauten Druck der Eltern. Wahrscheinlich gibt es tatsächlich solche Fälle, das will ich gar nicht ausschließen, aber warten bis das Kind selbst auf die Idee kommt, dass es anders gehen kann, war für mich keine Option. Die Windeln sind heutzutage so gut und bleiben trotz Pipi so lang trocken, da dauert es schon eine ganze Weile bis ein unangenehmes Gefühl auftritt.
Ich habe so früh angefangen, da ich seit ihrer Geburt, die Uhr nach Mara stellen konnte. Sie hat immer im gleichen Abstand und in den gleichen Situationen getrunken, geschlafen oder in die Windel gemacht. Ich habe alles bedürfnisorientiert gehandhabt bei ihr, das wollte ich immer, aber ihre Bedürfnisse waren eben immer im gleichen Abstand.

Das hat es mir leichter und planbarer gemacht.

Als sie 11 Monate alt war, selbstständig sitzen, krabbeln und an den Händen laufen konnte, dachte ich man könne es ja mal ausprobieren. Nur mal gucken wie sie reagiert, ob sie es seltsam oder angsteinflößend findet, dieses neue Ding im Bad. Ich habe es bewusst im Bad gelassen, denn dort gehört es eben hin. Oftmals habe ich gelesen, dass man das Töpfchen auch ins Wohnzimmer stellen kann. Da ist es wärmer und gemütlicher oder der TV läuft und das Kind bleibt dann fasziniert sitzen weil es abgelenkt ist. Allerdings hatte ich keine Lösung dafür, wie ich es anstellen sollte, dass Ganze auf lange Sicht wieder ins Bad zu bugsieren.

Ein Töpfchen gehört eben ins Bad.

Immer nach dem Schlafen, nach dem Essen und nachdem wir nach Hause gekommen sind vom Spielplatz habe ich Mara draufgesetzt. Wir haben was gesungen oder ein Buch angeguckt. Es ist von Anfang an immer etwas im Töpfchen gelandet. Wie gesagt, das konnte ich schon anhand der Uhrzeit sehen, dass gleich etwas kommen müsste. Umso leichter ist es natürlich. Da sie noch nicht selbstständig stehen konnte, blieb sie geduldig sitzen bis ich ihr hoch half.
Mein Gott, was habe ich sie gefeiert und gelobt als es das erste Mal geklappt hat… und das zweite Mal und auch die nächsten 100 Male noch. Sie badet in diesem Ruhm und findet es sehr toll, wenn man sie lobt. Man sieht richtig den Stolz in ihrem Gesicht etwas richtig gemacht zu haben.
Sie kann noch nicht Bescheid sagen, aber mittlerweile zappelt sie so seltsam herum und meckert etwas vor sich hin, wenn es gleich soweit ist.

Dann heißt es schnell sein.

Ich verbrauche mittlerweile an guten Tagen tatsächlich nur noch 2 Windeln. Jeweils eine tagsüber und nachts. Klar gibt es auch Tage an denen da was rein geht, ich nicht aufgepasst habe oder wir einfach den ganzen Tag draußen sind. Das ist auch gar nicht schlimm. Das ganze Prinzip wurde aber verstanden und es macht ihr auch Spaß. Insofern das ganze Spaß machen kann… Ihr wisst was ich meine.

Das Einzige was mir zu denken gibt ist der Kindergarten. Wir stecken mitten in der Eingewöhnung und gleich am ersten Tag haben wir natürlich nach deren Handhabe bezüglich des Töpfchen-Trainings gefragt und wurden nur entsetzt angeschaut. Die Erzieherin findet es sinnlos in diesem Alter, mit 14 Monaten so etwas zu trainieren, da Kinder ihrer Meinung nach nichts davon verstehen. Da frage ich mich, seit wann Kinder aufgehört haben individuell zu sein?! Sie sagte uns auch, dass das Methoden aus dem „Osten“ sind. Ja, erwischt! Ich komme aus dem ehemaligen Osten. Na whoohoo. Es ist ja schon nervig genug, dass das nach so vielen Jahren nach dem Mauerfall immer noch eine Rolle spielt, aber wenn es doch da doch geklappt hat.
Ich werde mit der Erzieherin noch einmal in einer ruhigen Minute sprechen und hoffen, dass meine Tochter bis dahin einen Unterschied erkennt, wie es zuhause und wie im Kindergarten gehandhabt wird.

Wie läuft das denn im Kindergarten, wenn man sein Kind Windelfrei erzogen hat? Habt Ihr da Erfahrungen?

# Abenteuer Fremdel-Phase

Niemand will gern zu einer fremden Person auf den Arm. Wieso muss mein Kind das denn dann wollen?
Man kann eben nicht jeden Menschen riechen oder findet nicht jeden toll und lustig, egal wie nett er mit uns redet. Egal mit was für tollen Sachen er uns bestechen will oder wie herzlich Mami diese Person auch findet. Da wird auch kein Unterschied zwischen der Verwandtschaft oder der Kassiererin bei Kaisers gemacht.

Mara steckt grade mitten in der guten alten Fremdel-Phase!

Ich finde das darf sie auch. Sie darf wählerisch sein. Sie darf sich Zeit nehmen und erstmal ganz in Ruhe von Weitem abchecken und vor allem muss sie auch bei weitem nicht zu jemanden auf den Arm. Viele Menschen, grade Verwandte sind dann immer sehr enttäuscht oder fühlen sich verschmäht, jedoch ist ja Gott sei Dank alles nur eine Phase.

Was mich an dieser ganzen Chose nur stört, ist dieser Druck und dieses Missfallen was auf mich projiziert wird. Als würde ich schuld sein, dass mein Kind schüchtern ist. Ich meine, klar ist man als Mutter mit dem Kind im ersten Jahr pausenlos zusammen und auch das Kind muss sich dann erstmal nach und nach daran gewöhnen, dass es auch ohne Mami leben kann. Ich krieg die Krise bei Kommentaren wie: “ Oh, wie soll das nur im Kindergarten werden?“ oder „Au weh, da wirst Du wohl nie bei Oma und Opa schlafen können!“

Nee, muss Mara ja auch nicht. Sie ist noch klein und ich bin nicht der Typ der sein Kind nächteweise „verkauft“ um dann feiern zu gehen, ins Kino zu gehen oder nur seine Ruhe zu haben. Ich mag es, wenn sie abends zuhause schläft und sich sicher und geborgen fühlt. Wenn Kinder größer sind, ist es sicher der Knaller mal zu Oma und Opa zu fahren. Alles neu und so aufregend. Man bekommt ganz viel Zeug mit Zucker und darf lange wach bleiben. Diese Zeit wird kommen, aber jetzt mit grade mal einem Jahr darf man noch auf Rhythmus, Abendrituale und immer die gleichen Wiederholungen stehen. Sowas wiederum bindet natürlich auch an die Mami.

Ein Teufelskreis in mir.

Und im Kindergarten ist das eine ganze andere Nummer. Man macht ja nicht umsonst eine ewig lange sanfte Eingewöhnung. Da läuft eh alles nochmal anders. Das scheint fürs Kind eine ganz andere Welt zu sein. Das heißt also nicht zwangsweise, dass jedes Fremdeln Zuhause auch im Kindergarten durchgezogen wird. Deswegen verbitte ich mir doch bitte, einer Mami vorher mit solchen Kommentaren Angst zu machen, dass es nicht klappen könnte im Kindergarten mit so vielen Kindern und einer fremden Erzieherin. Auch wenn es eventuell etwas komisch ist zusehen, dass das Kind eine andere Frau ganz toll findet, Mami bleibt immer die Nummer eins – auch mit ein bisschen mehr Abstand.

Wikipedia sagt übrigens, dass diese Fremdel-Phase zwischen dem 4. und 8. Lebensmonat ist. Haha, dass ich nicht lache. Gibt’s noch wen da draußen, der diese Phase maßlos überzieht?

# Abenteuer Jobstart nach Elternzeit

Niemand, und ich am wenigsten hätte am Anfang der Elternzeit gedacht, dass die Möglichkeit besteht, dass ich nicht einfach wie vorher gewohnt zur Arbeit gehe. Ich hätte nicht gedacht, dass es einem schwer gemacht wird und dass man als Mutter nicht immer so willkommen ist. Ich war naiv – ganz klar!
Man ist eben nicht mehr so flexibel, man setzt andere Prioritäten, das Kind und nicht der Job steht jetzt an erster Stelle, man bleibt nicht freiwillig länger um alles abzuarbeiten und man ist vermutlich auch öfter mal spontan krank.
Es kommt also nicht selten vor, dass man mehr oder weniger deutlich gesagt bekommt, dass man nicht mehr erwünscht ist.
Dazu kommt, dass die Vereinbarkeit von Kind und Karriere, von der gern so hochtrabend gesprochen wird, für mich ganz klar ein Mysterium oder gar eine Lüge ist!
Der Tag ist einfach zu kurz um ausreichend und fair fürs Kind da zu sein. Das heisst für mich, ich sehe meine Tochter ungefähr zwei Stunden am Tag nach der Arbeit. Wir beide leben einfach aneinander vorbei. Das macht man eventuell eine Zeit lang mit, weil man ja immer wieder hört, dass Andere es auch schaffen, dass beide Leben vereinbar sind und dass es geht, wenn man nur will. Und nach einiger Zeit kommt man unweigerlich an den Punkt wo das ganze Konstrukt bricht. Der eine früher und der andere später – ganz sicher!

Man hört es immer wieder: Im ersten Jahr im Kindergarten ist das Kind von April bis April dauerkrank. Na klasse! Schnupfen, Bindehautentzündung, Magen-Darm und wieder von vorn. Genau in diesen Momenten geht die große Diskussion los – bleibt Mami oder Papi Zuhause? Wer hat den wichtigeren Tag oder die kollegialsten Kollegen? Alles muss ganz schnell neu organisiert werden und niemand denkt dran wie es dem Kind dabei geht, wen das Kind jetzt dringend braucht und wie es sich fühlt, wenn so eine Hektik wegen ihm ausbricht.

Ich für meinen Teil habe beschlossen, dass ich das nicht möchte und habe mir einen Mami-freundlichen-Job gesucht bei dem ich meine Zeiten reduzieren konnte. Das heißt allerdings wieder, dass Mami zurückstecken muss und verzichten. Dass man das gern macht ist selbstverständlich, aber somit wurde mir bestätigt, dass es eben nicht vereinbar ist.
So haben meine Tochter und ich dafür den ganzen Nachmittag zusammen. Ich sehe wie sie klettert, wie sie lernt und wie sie aufmerksam versteht wie das Leben funktioniert. Sie kann mir Dinge zeigen und ich ihr erklären wie alles zusammenhängt. Ich muss nicht den ganzen Tag im Büro sitzen und daran denken wie sie grade wohl auf der Schaukel von ihren Haaren im Gesicht gekitzelt wird oder wie sie etwas aufregendes im Park gefunden hat und feststellt, dass ich nicht da bin um es mir zu zeigen.
Für uns ganz persönlich ist es so die schönste Möglichkeit von einander zu lernen, miteinander und aneinander zu wachsen.
Es ist nicht in allen Familien umsetzbar, das ist mir auch klar, aber ich wünsche es Euch allen Euer Kind aufwachsen zu sehen. In den fröhlichen, spannenden, traurigen und auch nervenaufreibenden Momenten die das Ganze mit sich bringt.