# Abenteuer Verwöhnen

Niemand mag diese verzogenen, nicht hörenden und immer nur fordernden Kinder. Die Kinder die laut im Supermarkt alles zusammen brüllen und kein NEIN akzeptieren. Die Kinder die selbst entscheiden, wann was gemacht wird und wann eben nicht. Und noch weniger mag man diese Art von Eltern die das Ganze durchgehen lassen. Sei es, weil sie die Konsequenzen und den Streit scheuen, weil einfach der Akku leer ist oder weil sie selbst emotional zu schwach sind um gegen das Kind anzukommen.

Oft hört man dann, das Kind sei verwöhnt. Da frage ich mich: Kann man ein Kind schon verwöhnt haben, bevor es überhaupt zwei Jahre alt ist? Kann da schon alles schief gegangen sein und alle guten Vorsätze die man in der Schwangerschaft macht, sind nichts mehr wert?

Immer wieder wird man schief angeschaut und bewertet, wenn man sagt, dass das Kind mit im Elternbett schläft, dass es ab und zu TV schauen darf, dass es auch mal was ungesundes zu essen bekommt, dass man das Kleine trägt obwohl es laufen kann, dass es auf dem Arm schläft obwohl man mit dem Auto fahren müsste oder dass man zum Abendbrot Müsli macht, weil die Schnitte einfach nicht das Richtige ist. 
Das alles seien Anzeichen dafür, dass man es verwöhnt. Dass man nicht nein sagen kann und das Kind den Takt angibt. Grade beim ersten Kind, sei man zu lapidar und lässt sich auf der Nase rumtanzen. Wie oft quaken einem grade Großeltern rein?! Früher war das anders, da hat man härter durchgegriffen.

Aber muss man das immer? Kann man einem Kind zu viel Liebe geben, zu viel auf seine Bedürfnisse eingehen und zu viel Geborgenheit bieten?

Ich finde nicht! Meine Tochter Mara weiß genau, dass ein Nein auch Nein bedeutet. Klar, wird versucht sich noch kurz durchzusetzen, aber wenn man dabei bleibt, gibt sie sich schnell geschlagen. Es gibt meiner Meinung nach Momente in denen man konsequent sein muss, grade wenn es auch um Sicherheit geht. Aber man muss nicht auf Ach und Krach seine Meinung durchsetzen. Wichtig ist es nur, dass man dabei bleibt. Sagt man einmal NEIN, dann bitte nicht einknicken, sonst wird man irgendwann nicht mehr ernst genommen und die Kleinen merken schneller als man denkt, wann man Mami „manipulieren“ kann. Auch wenn der Akku durch Job und Haushalt einfach manchmal leer ist und man nur noch alles hinwerfen will – bleibt stark! Man ist immer stärker als man denkt. Grade als Mami bringt man oft unbekannte Kraftreserven auf.

Trotzdem bleibe ich dabei, dass man mit ganz viel Liebe und ganz viel Kuscheln und Geborgenheit nichts falschen machen kann. Das kann nicht zu viel sein. Es kann nicht sein, dass Kinder aggressiv werden oder gewalttätig, nur weil sie im Elternbett geschlafen haben oder ihr Essen nicht aufgegessen haben. Sie werden wohl eher so, wenn sie merken, dass Eltern manipulierbar sind oder dass sie selbst das Sagen und die Kontrolle in jeglichen Lebenslagen haben und alles nach Ihrer Nase tanzt.

Das heißt für mich und meinen Alltag mit Kind, dass ich und wir konsequent sind, auch in den richtigen Momenten und grade in den Gefährlichen NEIN sagen, dass wir versuchen, soweit wie möglich standhaft zu sein, aber dass es einfach kein großes Drama ist wenn mal was nicht nach Plan läuft, sich zeitlich verschiebt, wenn man auch mal was zulässt oder wenn auch das Kind mal aussuchen darf, was jetzt gemacht wird – solange man für das Kind da ist, sich bemüht. Man kann meiner Meinung nach mehr verkehrt machen, wenn man das Kind immer nur in seine Schranken weißt, schimpft und es von sich wegstößt, wenn es Nähe braucht.

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# Abenteur Liebe

Niemand sollte mit Worten, welche die Liebe zu jemand anderen ausdrücken, sorglos und inflationär umgehen. Sagt man jemanden ständig und in jeder freien Minute wie sehr man denjenigen liebt, verliert dieses ganze magische Gefühl sehr schnell an Bedeutung.

Trotz dessen sage ich jeden Abend zum Schlafengehen am Bettchen zu meiner Tochter, dass ich sie liebe und dass ich da bin wenn etwas ist. Sie soll ein Gefühl von Geborgenheit bekommen um seelenruhig einschlafen zu können. Ist das zu viel?

Ist jeden Abend schon inflationär?

Ich glaube, wenn es um das Gefühl der Liebe geht, muss man definitiv auf seinen Bauch und sein Herz hören. Wenn man es gern sagen möchte, dann nur zu – immer raus damit. Es muss ja nicht in jeder freien Minute sein, aber man sollte in dem ganzen hektischen Alltag nicht vergessen auch mal zu stoppen, in sich zu gehen und sich dessen und denjenigen zu besinnen die man gerne hat. Dann darf man es auch laut aussprechen. Grade jetzt zur Weihnachtszeit denkt man doch viel über diese Gefühlsduselei nach. Wahrscheinlich ist es oft unangenehm oder komisch, sich so emotional nackig zu machen, jedoch bin ich der Meinung, dass Freunde und Verwandte sicher das Gleiche für einen empfinden. Nicht im romantischen Sinne, aber auf dieser „anderen“ Ebene, denn sonst würde man ja nicht so oft Zeit miteinander verbringen. Wieso darf man dann denn nicht mal sagen, dass man sich lieb hat. Ist ja schließlich so. Wir dürfen meiner Meinung nach in dieser anonymen und rastlosen Zeit gern etwas mehr Herzlichkeit an den Tag legen.

Ich selbst bin nicht so aufgewachsen. In meiner Familie war es nicht üblich sich zu sagen, dass man sich lieb hatte. Nicht an Weihnachten und nicht abends beim schlafen gehen. Man wusste und weiß es immer noch, aber es wurde nicht ausgesprochen. Sind wir schon so gefühlskalt? Ich habe das allerdings auch nicht vermisst. Ich habe mich immer geliebt und geborgen gefühlt – auch ohne diese Worte. Es gab kein „Ich liebe Dich“, „Ich hab Dich lieb“ oder “ Ich bin stolz auf Dich“. Wieso das so war, kann ich gar nicht sagen. Wahrscheinlich übernimmt man so was von den Eltern. Naja, man handhabt es eben so wie es einem selbst in der Kindheit vorgelebt wird.

Doch das kann definitiv nicht so weitergehen! Ich muss das unbedingt ganz anders aufziehen mit meiner eigenen kleinen Familie. Das klingt recht drastisch. Es soll ja auch nichts erzwungenes sein, aber es gehört schon dazu, dass meine Tochter lernt ihre Gefühle zuzulassen, einzuordnen und auch auszusprechen. Mara soll kein emotionaler Krüppel oder Eisblock werden. Genau deswegen finde ich, muss man als Elternteil erstmal in sich selbst hineinhorchen. Was möchte ich sagen? Wann möchte ich es sagen?

Und dann einfach munter drauf los. Feuer frei – habt Euch lieb.