# Das neue Hobby: Kind

Niemand hat wohl so ein zeitintensives Hobby wie Eltern.
Das ganze Spektakel bahnt sich schon mit dem positiven Schwangerschaftstest an. Man recherchiert und liest nach, welche Schritte müssen als Nächstes beachtet werden, welche Musik muss ich sofort auf den Bauch schallen lassen und welche Gelder müssen schon jetzt beantragt werden.
Das Ganze zieht sich durch die gesamte Schwangerschaft. Es werden Apps installiert, welche Mami regelmäßig Updates zu Größe und Gewicht geben sollen. Es werden Zeitschriften abonniert von und für Eltern. Von Woche zu Woche und von Monat zu Monat wird mitgefiebert, gekauft, anderes verkauft und über nichts Anderes mehr nachgedacht. Alle anderen Hobbies werden erstmal auf Eis gelegt, denn schließlich muss die werdende Mami ja erstmal das ganze Internet durchlesen. Das bedarf einer Menge Zeit und vor allem einer Menge Nerven – bei dem ganzen Schund den man zu dem Thema zu lesen bekommt. Aber was soll´s? Man will ja perfekt vorbereitet sein.

Verwandte und Freunde fiebern auch wie wild mit – jedenfalls beim ersten Kind noch – und so wird auch hier nur übers Ungeborene gesprochen. Ob man will oder nicht befindet man sich in einer Abwärtsspirale. Zumindest wenn es um die Vielfalt der möglichen Gesprächsthemen geht. Man kann in dieser Zeit immer von etlichen weltpolitischen Themen gekonnt und unauffällig wieder zum wirklichen Problem der Größe des Wunsch-Kinderwagens und der leider nur vorhandenen Größe des eigenen PKW – Kofferraums lenken.
Die meisten Bekannten bemerken es allemal und sind wohl nur so höflich und lassen einen machen. Man ist ja nicht man selbst…

…die Hormone und so!

Dieses neu errungene und unglaublich zeitintensive neue Hobby wird dann, ob man will oder nicht irgendwann geboren und dann geht der Spaß erst richtig los.
Man wird Fan von Family-Vlogs, stöbert Familienblogs durch, richtet seine Favoritenleiste neu ein indem man jegliche Preisvergleichsseite, jeden Spielzeugtest und die ortsansässigen Kitas (Alle übrigen schon seit Monaten angeschrieben) dort speichert.
Mittlerweile sind vor allem die Nicht-Eltern auf 180, wenn sie noch einmal über Muttermilchstuhl oder wunde Brustwarzen reden müssen.
Die eigene gute alte und sonst oft genutzte Nähmaschine staubt weiter in der Ecke zu, diese süßen Püppchen hat man auch schon seit 10 Monaten nicht mehr gehäkelt und vom Fitness wollen wir gar nicht erst sprechen. Man hat ja aber nun mal auch nichts Anderes zu erzählen, man erlebt zurzeit einfach nicht viel Aufregendes.
Pekip-Kurse, Babyschwimmen und neue Spazierrouten finden und erkunden werden zu den neuen Zeitfressern.

Ich habe mich lange gefragt, wann das Ganze sich wieder normalisiert!?

Diese Erkenntnis war der erste Schritt zur Besserung! Nach und nach hat man tatsächlich wieder Augen und Ohren für die Probleme der Welt, stolpert auch mal auf andere Blogs über Trends und Angesagtes oder konnte mal wieder die ersten 5 Seiten eines tollen Buchs lesen. Kleine Schritte. Langsam wieder Frau werden.
Man liest dann wohlmöglich  auch nicht mehr jede Produktrezession oder ärgert sich nicht mehr so oft über diese 20 Knöpfe an Kinderschlafanzügen. Somit ist auch wieder etwas mehr Zeit um einfach mal die ganzen, hoffentlich noch da gebliebenen Freunde und Verwandten zu fragen wie es Ihnen denn inzwischen so geht und einen Kaffee auszugeben. Denn irgendwann wird man doch wieder man selbst – ganz langsam.

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# Abenteuer: Freundschaften nach dem Baby

Niemand meiner Freunde hätte wohl erwartet, dass ich nach der Geburt meiner Tochter eine ausgehtechnische Vollbremsung mache. Klar, dass man sich erstmal Zeit nimmt um das neue Leben und Geschehenes zu verstehen und zu realisieren… allerdings hätte ich auch selbst nicht gedacht, dass ich das nach 14 Monaten jetzt immer noch tue – versuchen zu verstehen, dass das alles wahr ist, dass man tatsächlich ein Kind hat. Ein eigenes, echtes, reales und ganz wirkliches Kind…

Ich dachte nach einiger Zeit kommt schon wieder die Lust und Laune abends mal weg zu gehen. Kino, Bar oder einfach nur bei Freunden sitzen. Ich dachte, ich pumpe Milch ab und dann Schwupps di Wupps ist es ganz einfach, dass der Papa und ich uns Zuhause beim Kind abwechseln. Das wäre doch gelacht, wenn man das nicht schaffen könnte, dachte ich. Man will ja allen Freunden zeigen, dass man trotz Baby immer noch cool und locker und vor allem entgegen aller Aussagen wahnsinnig spontan sein kann. Man will ihnen zeigen, dass sie nicht Recht haben mit der Aussage, dass man sich verändert. Man will noch weiterhin dazugehören und nicht nur alle Geschichten aus zweiter Hand hören. Aber vor allem will man nicht nur noch bei Facebook verfolgen wie lustig oder feuchtfröhlich deren Abend war.

Soviel zur Theorie!

Die Realität sieht leider ganz anders aus. Die eine Seite der Medaille ist, dass man tatsächlich ständig müde ist, kaputt oder sich einfach nicht nach Action und Ausgehen fühlt, wenn man den halben Tag im Schlafanzug auf dem Teppich mit bunten Klapperringen gespielt hat. Andererseits ist man besorgt. Was ist, wenn das Kind mich nachts braucht – MICH -und ich bin nicht da. Irgendwann, so nach und nach, je mehr Tage vergehen und je öfter man Ausreden gefunden hat, nichts unternehmen zu müssen, sondern heimlich ganz früh schlafen zu gehen, kommt es einem auch völlig in Ordnung vor und auch akzeptabel, nur noch in den sozialen Medien zu verfolgen, was bei seinen Freunden so los ist an den Wochenenden, die früher so ausgiebig verfeiert wurden.

Auf der anderen Seite muss ich sagen, hat auch niemand meiner damaligen Freunde versucht mich mit Argumenten oder Bestechungen aus dem Haus zu locken. Für die Kinderlosen Leute war ich einfach raus aus der „Band“ – ein Abschied ohne Wiederkehr. Es fehlt einfach das Verständnis für einander. Keiner interessiert sich für meine Windelinhalts-Themen oder möchte eine Debatte über Fingerfood vs. Brei führen. Verständlich! Allerdings mag ich auch nicht mehr über „den süßen Typen an der Bar“ reden oder ellenlange Theorien aufstellen, warum sich wer nicht mehr gemeldet hat oder wer wen per SMS abserviert hat.

Man wird so eine langweilige engstirnige Mutter!

Aber nein, so ist es gar nicht. Gott sei Dank lernt man durch diverse Baby-Krabbel-Schwimm-und-Pekip-Gruppen ganz tolle neue Mamis und Papis kennen, die genau verstehen wie es einem grade geht, worüber man sich Gedanken macht und worum man sich sorgt. Man kann über Gott und die Welt reden, sich über die Sabberphasen austauschen aber auch über viele Nicht-Eltern-Themen reden, einfach nur, weil man auf einer Welle schwimmt.  Ich dachte auch immer, dass ich sicher irre werde, wenn zum hundertsten Male über Symptome des Zahnens gesprochen wird, aber man wird als Mami eben auch da gelassener. Man hat viel mehr Verständnis für einander und ist froh über Gleichgesinnte in seiner Nähe.

Tatsächlich ist es so, dass man auch einige Freunde verliert, das muss nicht sein, aber bei mir war es so. Teilweise habe ich mich auch bewusst gegen sie entschieden, weil sie einfach nicht mehr zu mir gepasst haben, mich runtergezogen haben oder mir eingeredet haben, dass ich nicht normal sei. Ich habe beschlossen mich von Dingen zu trennen die mir nicht guttun und kurzen Prozess zu machen. Seitdem geht es mir besser und ich bin viel gelassener und habe das Gefühl wieder durchatmen zu können.

Man sieht wer die wahren Freunde sind, wenn man ein Kind bekommen hat!