# Abenteuer: Einschlafen

Niemand mag es abends alleine in einem viel zu großen Raum, in einem viel zu großen Bett einzuschlafen. Und so mag es meine Tochter eben auch nicht. Ich stehe jeden Abend bei ihr am Bett, halte Händchen und streichle ihren Kopf bis sie schläft. Das sind tatsächlich meist nur um die 10 Minuten. An manchen Tagen ist sie so KO, dass noch nicht einmal die Spieluhr abgelaufen ist und sie schon schläft. Aber alleine einschlafen kann sie nicht. Oder möchte sie nicht. Und ich möchte es auch nicht. Es gibt ja immer viele tolle Ratschläge, Lektüre und Klugscheisser, die einem erklären wie es ganz toll klappen kann ohne dass ich dabei sein muss.

Schreien lassen oder in regelmäßigen Abständen wieder ins Zimmer gehen und beruhigen… Aber dieses Schreien in den Einschlafmomenten ist ja kein Trotz oder Meckern. Es ist Angst. Als Mutter, das hätte ich früher auch nicht gedacht, hört man da ganz ehrlich einen Unterschied in der Stimme des Kindes. Meine Tochter hat Angst und braucht den Schutz, die Geborgenheit und die Nähe. Wieso sollte man sie ihr verweigern? Nur um etwas früher vor dem Fernseher, am Nähtisch oder beim Partner sein zu können?
Ich finde, dass es für mich auch ein schöner Moment ist am Bettchen zu stehen und Ihr die Nähe zu geben die sie braucht. Dieses Gefühl, dass man gebraucht wird und auch für mich in diesem Moment eine Art Cut zu machen und dann „meinen“ Abend zu starten. Das soll jetzt gar nicht seltsam rüberkommen, ich hoffe Ihr versteht das, aber manchmal bin ich echt froh, nach einem stressigen Tag, dass meine Tochter schläft und ich auch mal durchatmen kann.

Ich muss Mara dieses Ritual gar nicht abgewöhnen. Sie muss sich nicht wie eine Erwachsene verhalten und alles schon jetzt alleine können, nur weil die Gesellschaft das wohl so erwartet. Ich erwarte es nicht. Sie darf auf Hilfe angewiesen sein. Irgendwann, da bin ich sicher, braucht sie das Ganze auch nicht mehr. Aber würde ich sie jetzt einfach schreien lassen, hätte ich Angst, dass ich dadurch Vertrauen zerstöre und Trennungsängste schüre. Zudem würde es mir wohl das Herz zerreißen, da vor der Tür zu stehen und dieses Weinen zu hören.

Wenn sie krank ist, oder schlecht träumt darf sie auch bei uns im Bett schlafen. Da gibt’s ja auch geteilte Meinungen wie gut das fürs Kind ist – da scheiden sich die Geister und jeder darf das wirklich selbst entscheiden. Bei uns kommt es nicht oft vor, denn wenn Mara zwischen uns liegt, bin ich gefühlt die halbe Nacht wach. Sie dreht sich wie ein Propeller durchs Bett. Ich habe ständig Knie am Kopf oder Ellenbogen in den Rippen. Da sie aber ihr Bett, welches im gleichen Zimmer steht, total mag und dort auch mittlerweile super drin durchschläft, holen wir sie wirklich nur bei Krankheit oder morgens zum kuscheln zu uns.

Klar gibt es auch Abende an denen ich es verfluche, gebeugt und schon hungrig am Bett stehen zu müssen. Grade dann, wenn sie nicht schlafen kann. Grade dann, wenn die Eingewöhnung im Kindergarten sie wohl so aufgewühlt hat, dass sie keine Ruhe findet. Und grade dann, wenn ich vielleicht mal beschlossen habe, dass ich mit meinen Freundinnen abends was essen zu gehen. Aber so ist es eben. Manchmal glaube ich, dass meine Tochter es schon ganz genau merkt, ob ich Zeitdruck habe oder ganz relaxed bei Ihr stehe und alle Zeit der Welt habe. Ab und an hält sie meine Hand so fest, als wollte sie sagen, dass man auf gar keinen Fall gehen darf. Deswegen versuche ich entspannt zu bleiben und alles andere drum herum von Anfang an umzuorganisieren, dass wir diesen Moment zusammen haben.

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# Das neue Hobby: Kind

Niemand hat wohl so ein zeitintensives Hobby wie Eltern.
Das ganze Spektakel bahnt sich schon mit dem positiven Schwangerschaftstest an. Man recherchiert und liest nach, welche Schritte müssen als Nächstes beachtet werden, welche Musik muss ich sofort auf den Bauch schallen lassen und welche Gelder müssen schon jetzt beantragt werden.
Das Ganze zieht sich durch die gesamte Schwangerschaft. Es werden Apps installiert, welche Mami regelmäßig Updates zu Größe und Gewicht geben sollen. Es werden Zeitschriften abonniert von und für Eltern. Von Woche zu Woche und von Monat zu Monat wird mitgefiebert, gekauft, anderes verkauft und über nichts Anderes mehr nachgedacht. Alle anderen Hobbies werden erstmal auf Eis gelegt, denn schließlich muss die werdende Mami ja erstmal das ganze Internet durchlesen. Das bedarf einer Menge Zeit und vor allem einer Menge Nerven – bei dem ganzen Schund den man zu dem Thema zu lesen bekommt. Aber was soll´s? Man will ja perfekt vorbereitet sein.

Verwandte und Freunde fiebern auch wie wild mit – jedenfalls beim ersten Kind noch – und so wird auch hier nur übers Ungeborene gesprochen. Ob man will oder nicht befindet man sich in einer Abwärtsspirale. Zumindest wenn es um die Vielfalt der möglichen Gesprächsthemen geht. Man kann in dieser Zeit immer von etlichen weltpolitischen Themen gekonnt und unauffällig wieder zum wirklichen Problem der Größe des Wunsch-Kinderwagens und der leider nur vorhandenen Größe des eigenen PKW – Kofferraums lenken.
Die meisten Bekannten bemerken es allemal und sind wohl nur so höflich und lassen einen machen. Man ist ja nicht man selbst…

…die Hormone und so!

Dieses neu errungene und unglaublich zeitintensive neue Hobby wird dann, ob man will oder nicht irgendwann geboren und dann geht der Spaß erst richtig los.
Man wird Fan von Family-Vlogs, stöbert Familienblogs durch, richtet seine Favoritenleiste neu ein indem man jegliche Preisvergleichsseite, jeden Spielzeugtest und die ortsansässigen Kitas (Alle übrigen schon seit Monaten angeschrieben) dort speichert.
Mittlerweile sind vor allem die Nicht-Eltern auf 180, wenn sie noch einmal über Muttermilchstuhl oder wunde Brustwarzen reden müssen.
Die eigene gute alte und sonst oft genutzte Nähmaschine staubt weiter in der Ecke zu, diese süßen Püppchen hat man auch schon seit 10 Monaten nicht mehr gehäkelt und vom Fitness wollen wir gar nicht erst sprechen. Man hat ja aber nun mal auch nichts Anderes zu erzählen, man erlebt zurzeit einfach nicht viel Aufregendes.
Pekip-Kurse, Babyschwimmen und neue Spazierrouten finden und erkunden werden zu den neuen Zeitfressern.

Ich habe mich lange gefragt, wann das Ganze sich wieder normalisiert!?

Diese Erkenntnis war der erste Schritt zur Besserung! Nach und nach hat man tatsächlich wieder Augen und Ohren für die Probleme der Welt, stolpert auch mal auf andere Blogs über Trends und Angesagtes oder konnte mal wieder die ersten 5 Seiten eines tollen Buchs lesen. Kleine Schritte. Langsam wieder Frau werden.
Man liest dann wohlmöglich  auch nicht mehr jede Produktrezession oder ärgert sich nicht mehr so oft über diese 20 Knöpfe an Kinderschlafanzügen. Somit ist auch wieder etwas mehr Zeit um einfach mal die ganzen, hoffentlich noch da gebliebenen Freunde und Verwandten zu fragen wie es Ihnen denn inzwischen so geht und einen Kaffee auszugeben. Denn irgendwann wird man doch wieder man selbst – ganz langsam.

# Abenteuer Fremdel-Phase

Niemand will gern zu einer fremden Person auf den Arm. Wieso muss mein Kind das denn dann wollen?
Man kann eben nicht jeden Menschen riechen oder findet nicht jeden toll und lustig, egal wie nett er mit uns redet. Egal mit was für tollen Sachen er uns bestechen will oder wie herzlich Mami diese Person auch findet. Da wird auch kein Unterschied zwischen der Verwandtschaft oder der Kassiererin bei Kaisers gemacht.

Mara steckt grade mitten in der guten alten Fremdel-Phase!

Ich finde das darf sie auch. Sie darf wählerisch sein. Sie darf sich Zeit nehmen und erstmal ganz in Ruhe von Weitem abchecken und vor allem muss sie auch bei weitem nicht zu jemanden auf den Arm. Viele Menschen, grade Verwandte sind dann immer sehr enttäuscht oder fühlen sich verschmäht, jedoch ist ja Gott sei Dank alles nur eine Phase.

Was mich an dieser ganzen Chose nur stört, ist dieser Druck und dieses Missfallen was auf mich projiziert wird. Als würde ich schuld sein, dass mein Kind schüchtern ist. Ich meine, klar ist man als Mutter mit dem Kind im ersten Jahr pausenlos zusammen und auch das Kind muss sich dann erstmal nach und nach daran gewöhnen, dass es auch ohne Mami leben kann. Ich krieg die Krise bei Kommentaren wie: “ Oh, wie soll das nur im Kindergarten werden?“ oder „Au weh, da wirst Du wohl nie bei Oma und Opa schlafen können!“

Nee, muss Mara ja auch nicht. Sie ist noch klein und ich bin nicht der Typ der sein Kind nächteweise „verkauft“ um dann feiern zu gehen, ins Kino zu gehen oder nur seine Ruhe zu haben. Ich mag es, wenn sie abends zuhause schläft und sich sicher und geborgen fühlt. Wenn Kinder größer sind, ist es sicher der Knaller mal zu Oma und Opa zu fahren. Alles neu und so aufregend. Man bekommt ganz viel Zeug mit Zucker und darf lange wach bleiben. Diese Zeit wird kommen, aber jetzt mit grade mal einem Jahr darf man noch auf Rhythmus, Abendrituale und immer die gleichen Wiederholungen stehen. Sowas wiederum bindet natürlich auch an die Mami.

Ein Teufelskreis in mir.

Und im Kindergarten ist das eine ganze andere Nummer. Man macht ja nicht umsonst eine ewig lange sanfte Eingewöhnung. Da läuft eh alles nochmal anders. Das scheint fürs Kind eine ganz andere Welt zu sein. Das heißt also nicht zwangsweise, dass jedes Fremdeln Zuhause auch im Kindergarten durchgezogen wird. Deswegen verbitte ich mir doch bitte, einer Mami vorher mit solchen Kommentaren Angst zu machen, dass es nicht klappen könnte im Kindergarten mit so vielen Kindern und einer fremden Erzieherin. Auch wenn es eventuell etwas komisch ist zusehen, dass das Kind eine andere Frau ganz toll findet, Mami bleibt immer die Nummer eins – auch mit ein bisschen mehr Abstand.

Wikipedia sagt übrigens, dass diese Fremdel-Phase zwischen dem 4. und 8. Lebensmonat ist. Haha, dass ich nicht lache. Gibt’s noch wen da draußen, der diese Phase maßlos überzieht?